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Partner gibt es auf der ganzen Welt

Wiesbaden 25.6.2009

AFS-"Alumni"-Treffen in Reformatorenhalle der Ringkirche

"Alumni" ist ein Wort aus dem Lateinischen und steht für Veranstaltungen und Organisationen, die sich um den Erhalt der Beziehungen zwischen Ehemaligen bemühen. Zu einem Alumni-Treffen hatte am Dienstag das Komitee Wiesbaden-Mainz des AFS Interkulturelle Begegnungen in die Reformatorenhalle der Ringkirche eingeladen.

Der im Ersten Weltkrieg ursprünglich als Transportdienst für Verwundete gegründete American Field Service (AFS) wandelte sich nach 1945 zur weltweit größten Jugendaustauschorganisation. Sie ist gemeinnützig und arbeitet nichtkommerziell auf ehrenamtlicher Basis im Geist der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen. In Zusammenarbeit mit über 40 Ländern bietet AFS Deutschland Schüleraustausch, Gastfamilienprogramme und Freiwilligendienste.

Jährlich 20 Schüler
"Wir schicken jährlich 20 Schüler aus der Region Wiesbaden-Mainz in alle Welt", sagte Komiteekoordinator Robert Porsch, der 2006 ein Schuljahr in Malaysia verbrachte und derzeit seinen Zivildienst in Mainz absolviert. Dass die Zahl der Bewerber angesichts des Leistungsdrucks von "Turbo-Abitur" und "Turbo-Studium" inzwischen zurückgehe, sei bedauerlich. Teilnehmer an Alumni 2009 waren die Mainzer Gastschüler Yue Zhou aus China und Kerim Kraljic aus Bosnien sowie Keaw Kwan aus Thailand. Kwan besucht seit Februar die neunte Klasse der Wiesbadener IGS Kastellstraße. "Ich bin am Valentinstag gekommen und konnte noch kein Wort Deutsch", erzählte sie begeistert. Die Schule gefalle ihr sehr gut. Mathematik und Chemie seien ihre Lieblingsfächer.

Start schon 1948
Die ersten deutschen Austauschschüler des AFS reisten bereits 1948 in die USA. Im Gegenzug kamen 1952 die ersten amerikanischen Gastschüler nach Deutschland. "Wie es aussieht, bin ich der älteste Austauschschüler in dieser Runde", meinte der 65-jährige Wiesbadener Ulrich Mende. Auf seinem Namensschild stand "USA 1959". Zu seiner Überraschung sei er damals bei Gasteltern auf einer Farm in Minnesota gelandet. "Vermutlich weil ich bei der Bewerbung erzählt hatte, dass ich früher gern aufs Land verschickt worden sei, aber das war kurz nach dem Krieg, und auf dem Land gab es was zu essen." Geschadet habe ihm die Farm nicht, ganz im Gegenteil. Später, als er selbst im Komitee bei der Auswahl von Austauschschülern mitmachte, bewarb sich eines Tages auch Daniel Cohn-Bendit um einen Austauschplatz in den USA - und wurde abgelehnt.

"Ich komme aus einer richtigen AFS-Familie", erklärte Annika Emmert. Als 1991 in ihrer Heimatstadt Wuppertal eine Gastfamilie für ein Mädchen aus den USA gesucht wurde, meldeten sich ihre Eltern spontan. "Damals war ich ein kleines Mädchen und dachte, wenn ich groß bin, werde ich auch Gastschülerin." Annika ging später für ein Schuljahr nach Norwegen. Ihr Vater ist heute im Vorstand und ihre Mutter im Komitee des AFS Wuppertal ehrenamtlich tätig. Annika studiert derzeit in Mainz Ethnologie sowie Sprachen Nordeuropas und des Baltikums. "Es ist schwer zu erklären, aber der AFS reißt jeden mit."

Generationenübergreifend
Die gleiche Erfahrung hat auch Reinhold Hytrek gemacht, der vor etwa einem halben Jahr seine AFS-Wurzeln neu entdeckte. Inzwischen ist er als stellvertretender Sending-Koordinator unter anderem für die Auswahl von Austauschschülern zuständig. Vor allem die generationenübergreifende Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen fasziniere ihn. "Uns alle verbinden gleiche Erfahrungen und Einstellungen und ähnliche Ideen." Als 16-jähriger war Hytrek 1962 Austauschschüler in den USA. "Für mich war es das Tor zur Welt".
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