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Wiesbadener Kurier 28.08.2008

Ein Schüleraustausch soll interkulturelle Begegnungen ermöglichen.

 

Vom 28.08.2008, Wiesbadener Tagblatt

 Am kommenden Samstag, 30. August, lädt der Ausländerbeirat Wiesbadens zu seinem alljährlichen Internationalen Sommerfest auf dem Schlossplatz ein. In diesem Jahr findet das bunte Treiben zum 33. Mal statt. Mit dabei auf dem sogenannten Infomarkt ist auch der Verein "AFS Interkulturelle Begegnungen".

Ein Jahr im Ausland: Das ist der Traum vieler Menschen, besonders von jungen Leuten. Möglich machen das verschiedene Veranstalter. Einer davon ist die "AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.", eine internationale gemeinnützige Organisation mit Schwerpunkt Schüleraustausch. Gegründet wurde die AFS 1910 in Frankreich und ist bereits seit 60 Jahren in Deutschland präsent.

 Auch in Mainz und Wiesbaden hat die Organisation einen Standort. "Eine andere Kultur, andere Lebensweisen kennen zu lernen, das ist das Faszinierende an einem Auslandsaufenthalt", schwärmt der 19-jährige Robert Porsch. Der Schüler hatte vor zwei Jahren den großen Schritt gewagt: Nach der 11. Klasse für ein Jahr nach Malaysia. Das war für den 19-Jährigen eine ganz spannende Zeit, freilich nicht frei von kniffeligen Situationen. "Da prallen zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander, das führt natürlich zu Konflikten."

 Besonders in der Schule hatte Robert Porsch zunächst Schwierigkeiten. "Dort hat man als Weißer erst einmal so seine Probleme. Anfangs hatte ich schon an einen Schulwechsel gedacht", erinnert sich der 19-Jährige zurück. Nach den vielen kleinen und großen Schwierigkeiten wurde es für den Mainzer ein unvergessliches Jahr, das er in guter Erinnerung behalten wird. "Es ist einfach klasse, dass die Kontakte von damals trotz der Entfernung auch heute noch bestehen."

 Seine Erfahrungen waren für den 19-jährigen Schüler auch Anlass, anderen jungen Menschen das selbe Erlebnis mit zu ermöglichen. Nach seinem Aufenthalt begann Robert Porsch, sich ehrenamtlich - wie viele andere frühere Gastschüler auch - bei der AFS Mainz-Wiesbaden zu engagieren. Dort wirken etwa 30 Mitarbeiter im Alter von 17 bis 70 Jahren, die meisten davon ehrenamtlich. Nur vier Hauptamtliche sind dort angestellt.

 Neben der Schule bedeutet das viel Arbeit für Robert Porsch, die er jedoch gerne übernimmt. Zu seinen Aufgaben zählt hauptsächlich die Betreuung von Gastschülern. Außerdem bildet der Schüler sich in regelmäßigen Seminaren fort. "Bei den Seminaren treffen sich Mitarbeiter aus ganz Deutschland. Da lernt man ständig neue interessante Leute kennen", stellt der Schüler fest.

 Für den heute 20 Jahre alten Mathias Göbel, der sich auch ehrenamtlich einbringt, war seine Zeit in Brasilien vor knapp drei Jahren ein Wechselbad der Gefühle. "Ich habe zweimal die Familie gewechselt. Manche Dinge konnte ich einfach nicht akzeptieren." Der 20-Jährige habe beispielsweise nur zu bestimmten Tageszeiten Wasser trinken dürfen.

 Kein Grund aber für Göbel, nicht jedem einen Auslandsaufenthalt zu empfehlen. "Dass es Schwierigkeiten mit der Kultur geben kann, ist doch klar", ist sich der 20-Jährige bewusst, "trotzdem habe ich während des einen Jahres fließend Portugiesisch gelernt, das hätte ich vorher nie gedacht", erzählt der Schüler stolz. Das Erlernen einer neuen Sprache hat bei den von der AFS koordinierten Auslandsaufenthalten, neben der ständigen Vor-Ort-Betreuung, hohe Priorität.

 "In der Regel hat jeder Gastschüler eine Bezugsperson, die sich um ihn kümmert", berichten die beiden Schüler. "In Deutschland bekommen die Schüler sogar Deutsch-Kurse angeboten, um auch die Grammatik möglichst schnell zu lernen", betonen sie.

 Die gute Betreuung während des Aufenthalts hänge ausschlaggebend mit der guten Zusammenarbeit der einzelnen Standorte der AFS zusammen. "Es gibt zwar sicher hier und da Unterschiede, aber die AFS arbeitet als einheitliche Organisation zusammen", resümiert Porsch. Selbstverständlich sei das nicht. Es gebe andere Organisationen, bei denen die Koordination bei weitem nicht so gut funktioniere. "Bei anderen Veranstaltern müssen die Teilnehmer teils alle drei Monate den Aufenthaltsort wechseln. Zum Eingewöhnen ist das natürlich eher nicht so gut", sagt Mathias Göbel. Bei der AFS hingegen würden die Gastschüler für ein Jahr an einen festen Ort vermittelt.

 Mittlerweile existieren bundesweit etwa 100 Standorte, sogenannte Komitees, in denen sich insgesamt schätzungsweise 3200 Menschen ehrenamtlich betätigen. Weltweit unterstützen rund 120000 Menschen die AFS durch ihre Mitarbeit. Die Organisation hat zurzeit Standorte in mehr als 60 Ländern. Entscheidenden Anteil an der Qualität der Auslandsaufenthalte haben selbstverständlich auch die Gastfamilien. Ebenso ehrenamtlich, ohne irgendwelche Zahlungen zu erhalten, können sich Familien als Gastgeber zur Verfügung stellen.

Eine hauptamtliche Arbeit können sich die beiden Schüler indes nicht vorstellen. "Als Hauptamtlicher ist man wenig an der Betreuung der Gastschüler beteiligt. Da hat man hauptsächlich mit Verwaltung zu tun, und das wäre nichts für uns", sind sich die beiden ehrenamtlichen Helfer einig.

 Ein ganz besonderes Angebot hat die AFS für Schüler mit Migrationshintergrund parat. Dank der finanziellen Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung bietet die Organisation mehrere Stipendien an. Schüler zwischen 15 und 17 Jahren können sich noch bis zum 15. Oktober für einen Auslandsaufenthalt bewerben. Entscheidend für eine erfolgreiche Bewerbung ist die hohe Motivation des Bewerbers. Schulische Leistungen sind eher weniger bedeutsam.

(Daniel Seehuber, Wiesbadener Tagblatt)