Sie sind hier: AFS-Komitee Wiesbaden-Mainz > Das Komitee > Pressespiegel > Alzeyer Anzeiger - 21.3.2009

Abenteuer Ausland führt nach Saulheim

Kerim grillt Chevapchichi für seine Gastfamilie

Kerim Kraljic aus Sarajevo lernt bei seiner Gastfamilie das Leben in Deutschland kennen

Einmal für eine Zeit lang in einem anderen Land leben und in eine fremde Kultur ´rein schnuppern - viele Jugendliche erhoffen sich das von einem Jahr in einer Gastfamilie. Einer von ihnen ist Kerim Kraljic, ein 16-jähriger Junge aus Sarajevo, Bosnien-Herzegowina, der nun in Saulheim lebt.

Wer von der Stadt Sarajevo hört, dem fallen unweigerlich die Bilder aus den neunziger Jahren ein, die in den Nachrichten vom Kriegstreiben in der Stadt berichteten. Ein gutes Jahrzehnt später ist die Stadt für Kerim ganz einfach seine Heimat. Doch die hat der Junge mit den schwarzen Locken nun für ein Jahr hinter sich gelassen, um mitten in Rheinhessen in eine andere Welt zu rutschen.

Gelandet ist er bei der Familie Appel-Blum, die dem Bosnier anfangs nur als Ankunftsfamilie den Start in Deutschland bereiten wollte. "Aber als Kerim hier war, wussten wir, dass er länger bleibt", beschreibt sein Gastpapa Michael. Und irgendwie prallen da im Haus der Familie nun zwei Kulturen aufeinander - das mit viel Spaß am gegenseitigen Kennen- und Verstehenlernen. Denn für Kerim ist es nicht nur das Land und die Mentalität seiner Gastfamilie, die für ihn neu sind. Der bosnische Teenager hat zudem eine andere Religion als seine Gasteltern und Gastbruder David. "Kerim ist Moslem und lebt seinen Glauben auch. Für uns bietet sich dadurch die Möglichkeit, diesen Glauben einmal auf eine Art kennen zu lernen, die wir vorher nicht hatten", erzählt Gastmutter Mirjam.

So kam es auch, dass der Moslem Kerim mit einer bosnischen Familie, die er in einer Mainzer Moschee kennenlernte, Weihnachten bei den Appel-Blums feierte. In Zeiten, da die Themen Integration und Toleranz immer wieder in den Fokus rücken, eine spannende Sache für beide Seiten. Welches Fleisch essen die Moslems? Wie feiern die Christen Weihnachten? Fragen, denen Kerim und seine Gastfamilie seit September gemeinsam auf den Grund gehen.

Das Abenteuer Deutschland startete für Kerim mitten im islamischen Fastenmonat Ramadan. "Das war natürlich nicht optimal, auch wenn wir es letztlich gut hinbekommen haben. Jetzt gibt es eben zwei Sorten Schinken auf unserem Tisch- einmal aus Schweine-, einmal aus Rindfleisch", sagt Mirjam lachend. Friede, Freude, Eierkuchen ist so ein Auslandsaufenthalt zwar nicht immer, das schränken sowohl Kerim als auch seine Gastfamilie ein. "Aber die positiven Aspekte überwiegen ganz klar. Das ist eine Bereicherung", sind sie sich einig.

An seiner neuen Schule, der IGS in Mainz-Bretzenheim, fühlt sich Kerim längst pudelwohl. Nur einige Wochen in Deutschland, hat er im September gleich ein Konzert mitgestaltet. Denn Musik ist eines seiner großen Hobbys: "Ich spiele Gitarre und habe meine eigene Band in Mainz. Nur haben wir uns noch nicht auf eine Musikrichtung einigen können", verrät er. Wer seine Lieblingsmusiker sind, das weiß der aufgeweckte 16-Jährige genau. "Jimi Hendrix. Und in meiner Heimat ist es Dino Merlin." Die Musik vom Balkan hat längst seine Gastmama in ihren Bann gezogen. Nur eines, das konnte ihr Gastsohn ihr nicht beibringen: das "Kolo" tanzen. "Das ist ein folkloristischer Tanz. Aber Kerim kann ihn leider nicht." Wobei beiden bis zu Kerims Abreise Mitte des Jahres Zeit bleibt, um es gemeinsam zu lernen. Kurz vor seiner Abreise wird er Gelegenheit haben, seine Gastschwester Paula kennen zu lernen, die im Moment in Malaysia ist. " Ich bin schon sehr gespannt auf Paula", sagt Kerim, der den Appel-Blums auf jeden Fall Lust auf einen Urlaub auf dem Balkan gemacht hat.