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Zweite Heimat in Thailand

Zweite Heimat in Thailand

Geschrieben von: Allgemeine Zeitung   


AUSTAUSCH Pascal Neumer aus Nierstein fast ein Jahr in Asien / Schülerin auch zu Gast am Rhein

Nierstein, 19.06.2010. Mit Google Earth gelingt es am Laptop mühelos, einmal kurz in der zweiten Heimat am anderen Ende der Welt vorbeizuschauen. ?Das ist meine Stadt, das ist meine Straße, das ist mein Haus und dort ist meine Schule?, kommentiert der 19 Jahre alte Pascal Neumer aus Nierstein einen eindrucksvollen virtuellen Ausflug. Fast ein Jahr lang lebte er als Austauschschüler in der 50 000-Einwohner-Stadt Roi-Et im Nordosten von Thailand. Die Gastfamilie ist ihm sehr ans Herz gewachsen: ?Ich hatte drei Brüder.?

Eine erste Hürde ist das Erlernen der völlig unbekannten Sprache. Der Einzelunterricht bringt erste Erfolgserlebnisse - obwohl die Thailänder keine Grammatik kennen und es auf die unterschiedliche Betonung der Wörter ankommt. Mühelos, aber mit etwas Herzklopfen, meistert Pascal das ungewohnte Aufnahmeritual im Gymnasium vor über 5 000 Schülern: ?Ich musste eine kleine Rede auf Thai halten.? Nach einem halben Jahr klappt die Kommunikation schon ganz gut, ?aber wissenschaftliche Gespräche waren nicht möglich?, schmunzelt der Niersteiner Oberstufenschüler, der sich gut vorstellen kann, später im Hotelmanagement in einem asiatischen Land zu arbeiten.

Zu dem vom Verein AFS Interkulturelle Begegnungen vermittelten und organisierten Austauschprogramm zur Förderung der Völkerverständigung gehören aber nicht nur die Einbindung in die Familie und der Schulbesuch, sondern auch das Kennenlernen des Gastlandes. Die Stadt Roi-Et, rund 600 Kilometer von der Hauptstadt Bangkok entfernt, ist dabei ein guter Ausgangspunkt. Denn dort gibt es noch keine sogenannte Westianisierung, das ursprüngliche Thailand ist noch erkennbar. Unvergessen bleiben die unzähligen Festivals im Land, darunter ein eindrucksvolles Lichterfest bei Vollmond. Pascal, herausgeputzt als exotischer König auf einer Sänfte getragen, darf mitfeiern. Verborgen bleiben dem jungen Mann nicht die politischen Unruhen auf den Straßen der Hauptstadt. Bei der Fahrt vom Hotel zum Flughafen sorgen Soldaten, Stacheldraht und brennende Reifen für nicht alltägliche Urlaubserlebnisse. ?Ich war ein neutraler Beobachter?, gibt er sich diplomatisch.

Thomas und Andreas Neumer sind stolz auf ihren Sohn: ?Er ist selbstständiger, offener geworden.? Wieder zu Hause in Deutschland, hat auch seine Familie ?Zuwachs? bekommen. Ebenfalls über AFS vermittelt, verbringt die 17 Jahre alte Sudawan Wongsawat (Pui) aus dem Süden Thailands ein Austauschjahr in Deutschland. Das Interview mit ihr kann sogar auf Deutsch geführt werden.

Ein Wiedersehen 2011 in Thailand

Von ihrem Gastland hat sie schon viel gesehen - nicht nur das Brandenburger Tor in Berlin und das Hofbräuhaus in München. Bier trinkt sie zwar immer noch nicht so gerne, zählt aber Fleisch, Kartoffelpüree und Sauerkraut zu ihren Lieblingsgerichten. Und wie unterschieden sich die beiden Länder? ?Die Deutschen sind immer pünktlich. In Thailand gibt es keine festen Fahrpläne?, erzählt Piu, die sich auch gerne an die Knallerei in der Silvesternacht und den Rosenmontagszug in Mainz erinnert.

Pascal in Asien, Piu in Deutschland. Und nächstes Jahr will Familie Neumer nach Thailand fliegen. Die neuen Freundschaften sollen weiter vertieft und ausgebaut werden.


Von Dieter Oberhollenzer

 

 

Nicht nur vom Schulalltag war der Niersteiner Austauschschüler Pascal Neumer (19) - auf dem Bild in sportlicher Schuluniform zu sehen - bei seinem fast einjährigen Aufenthalt in Thailand beeindruckt. Die 17-jährige Piu hält sich derzeit in Nierstein auf. Foto: privat